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#1 Zwirbels erstes Weekend am Hochrhein


Feierabend und Abfahrt

Es ist Samstag. Ein heisser Samstag. Der letzte Samstag im Juni. Ich bin aufgewühlt. Und ich schwitze. "Ein grosses Mineral, bitte, und, sind Ihre Hamburger gut?" - "Nein..." entgegne ich der charmanten Dame am Tisch trocken. Dann ziehe ich die Augenbrauen hoch. "Madame, unsere Hamburger sind nicht einfach nur gut, sie sind sensationell! Haben Sie gerne Speck? Dann empfehle ich Ihnen den Barbecue mit Speck und unserer hausgemachten Barbecue-Sosse! Oder mögen Sie's lieber konventionell? Mit Cocktailsosse vielleicht?" - "Also für mich so ein Grosses Bier, ein Unterländer Bräu!" Funkt die Begleitung ungeduldig dazwischen. "Sehr gerne, der Herr! Ein feiner Hamburger vielleicht dazu?" Beide nicken. Die Schrift auf meinem Bestellblock verläuft. Schweiss und Tinte vertragen sich offenbar schlecht, und zügig mache ich mich auf zum Buffet, um die Bestellung aufzugeben, bevor sich meine Notizen gänzlich im Schweisse meines Angesichts auflösen.  In Gedanken versunken drapiere ich eilig die Getränke auf mein Tablett, auch jene Bestellung, die gar nicht für mich ist. "Träumst du?" Meint die Buffetkollegin belustigend. "Nein, natürlich nicht!" Entgegne ich. Klaro träume ich, nämlich von unserem bevorstehenden ersten Ausflug mit Zwirbel. Irgendwo an den Hochrhein soll es gehen, sobald unsere Schicht hier beendet ist. Schnell noch die zwei Hamburger aufgabeln, dann alles schön servieren, freundlich einkassieren, nicht ohne sich für die Bestellung höflich zu bedanken, und dann... ja, dann ist Feierabend! Auch Susanne legt ihre Küchenschürze ab, denn auch ihr Dienst ist getan, und mit einem herzhaften Give-me-five schreiten wir zwei vom Festplatz. Zufrieden, am pulsierenden Dorffest mitgeholfen zu haben, marschieren wir Richtung Parkplatz, etwas aufgeregt zwar, aber irgendwie voller Erwartungsdrang. Zwirbel ist ordentlich aufgeheizt an diesem Samstag, und es tut gut, sich aus dem herrlich vorgekühlten Kühlschrank eines kräftigen Schluckes aus der Mineralwasserflasche zu bedienen. Dann geht es los. Unser Weg führt uns auf einen nahegelegenen Campingplatz am Hochrhein bei Kadelburg, auf der deutschen Seite des Rheins. Es ist bereits Abend, als wir ankommen, und ein grosses "Hier Stopp!" bei der Einfahrt lässt uns erahnen, dass da wohl die Abendruhe noch ernst genommen wird. So lassen wir Zwirbel stehen und machen uns zu Fuss in Richtung Anmeldung auf. Noch immer ist es sehr warm, und meine hauseigene Bio-Klimaanlage (genau, die von mir, Georg) lässt mich zünftig schwitzen, was zwar der Kühlung zu Gute kommt, dafür aber eine nicht zu verleugnende Feuchtigkeit auf einem hinterlässt. Schmunzelnd kommt mir der schweissig klebrige Bestellblock von vorher in der Festbeiz in den Sinn. Ob die hier wohl wasserfestere Anmeldescheine haben?

 

 

 


Ankunft und Platzbezug

Zwirbels allererster Stellplatz, ein herrlicher Schattenplatz am Hochrhein-Camping bei Kadelburg, auf der deutschen Seite des Rhein.

Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Eine gemütliche Ruhe herrscht. Die Campingbeiz ist gut besetzt, und ich werde das Gefühl nicht los, gerade von dutzenden von eingefleischten Camperaugen sorgfältig durchleuchtet zu werden, während wir uns auf die Suche nach einem Anmeldetresen machen. Doch da ist nichts. Ein verwaschener Karton, beschriftet und aufgehängt an einem Fenstergriff, weist auf eine Schweizer Natelnummer hin. Wir sind doch in Deutschland, oder nicht? Schnell ist klar, warum. Mein Handy zeigt vollen Schweizer Provider Empfang! Ein deutsches Netz existiert hier nicht. Aha, praktisch, kein Roaming, sinniere ich, als plötzlich eine nette, junge Dame auftaucht und uns freundlich begrüsst. Schnell sind die Formalitäten erledigt, und stolz chauffiere ich Zwirbel an den uns zugewiesenen Platz. Es ist ein schönes Gefühl, unser eigenes mobiles Zweitzuhause sorgsam auf die herrlich schattige Parzelle zu manöverieren und uns gemütlich einzunisten. Ein erster Griff in den Kühlschrank offenbart mir ein kühles Bier, ein Schweizer Feldschlösschen Lager natürlich, und während ich mich genüsslich in einen der erst kürzlich erstandenen, saubequemen Falt-Campingstühle niederlasse, macht sich Susanne in Richtung Swimmingpool auf, um sich noch etwas abzukühlen.

Ein bequemer Stuhl und ein kühles Bier für mich, während Susanne ein erfrischendes Bad im Swimming Pool vorzieht.


Ein gemütlicher Abend unter Campern

Viel an Essbarem haben wir nicht dabei an diesem ersten Ausflug, und so entscheiden wir uns, heute Abend im kleinen Campingrestaurant zu dinieren. Eine Karte gibt es nicht, es wird gegessen, was gerade gekocht wird, und gekocht wird, was es gerade hat, und was es gerade hat, das weiss ausser dem Koch niemand so genau. Was man weiss, ist die Tatsache, dass das Essen hier sehr gut und schmackhaft sein soll, und wenn man diese Worte einem einheimischen Dauercamper entnehmen kann, dann hat man eigentlich nichts mehr zu befürchten. Und so verschlägt es uns an einen Tisch mit zwei kleinen Hunden, zusammen mit dessen Besitzern. Schnell ist man im Gespräch, und während Susanne ihr Herz einen Moment lang in die flauschigen Vierbeiner verliert, beginne ich mit Herrchen über Zwirbels technisches Innenleben zu fachsimpeln.

Ohne viel Worte zu verlieren, das Nachtessen war wirklich fein. Es gab Buffet, ein Geschnetzeltes mit Pilzen, zwei verschiedene Gemüse (kleine und grosse Kartoffeln) ... nein, Quatsch, kleiner Scherz meinerseits, natürlich verschiedene Gemüse, Ratatouille, Rüebligmües (Karottengemüse auf Schweizerdeutsch) und, in der Tat, Kartoffeln, grosse und kleine. Das Buffet war nicht übermässig reichhaltig, aber wir wurden mehr als satt, zu einem sehr günstigen Preis, und es war wirklich sehr schmackhaft zubereitet. Einmal mehr lernten wir das Camperleben schätzen, die ungezwungenen Gespräche, die Tipps und Tricks, und viel Wissenswertes rund um das Dasein auf einem Campingplatz. 

 

Der abschliessende Spaziergang dem Rhein entlang war die Krönung unseres ersten Zwirbelabenteuers. Es tat gut, die spätabendliche Idylle auf die Seele wirken zu lassen. Vergessen waren Alltag und Anspannung der letzten Tage, und uns wurde plötzlich bewusst, dass wir die richtige Entscheidung mit der Anschaffung eines eigenen Campers getroffen hatten. Und so liessen wir den Abend ausklingen, und Zwirbel empfing uns mit einem freudigen "Klack", als ich die Zentralverriegelung betätigte. Nun, wäre da jetzt noch so ein kleiner Hund dabei gewesen, wäre vielleicht ein freudiges "Wauwau!" zusammen mit einem metallischem "Klack" aus der Begrüssung geworden. Für einen kleinen Hund, meinte Susanne verträumt, hätte sie immer ein Stückchen ihres liebevollen Herzens übrig. Also, wenn der Rest ihres Herzens eh mir gehört, nun ja, wer weiss, vielleicht müsste sich Zwirbel irgendwann einmal mit einem weiteren Mitreisenden anfreunden müssen. Keiner mit vier Rädern, sondern einer mit vier Pfoten. Na dann, bis morgen und gute Nacht, liebe Leserinnen und Leser.

 

 


Der Morgen danach

Morgenstimmung vom Schlafzimmer aus, mit Blick auf den Rhein - schöner könnt's nicht sein!

Ein ungewohntes Vogelkonzert lässt mich langsam und sanft erwachen. Meine Augen sind noch zu. Als wäre ich eine Dampfmaschine (das Alter dazu hätte ich locker...), welche sich gerade schnaubend und ächzend in Bewegung setzt, erlange ich langsam den Tagesmodus. Nein, dieses Vogelgezwitscher kenne ich nicht. Sind das Bachstelzen? Wo sind denn die Krähen und Elstern, welche uns regelmässig am Wochenende aus dem Schlaf zetern? Ausgeflogen etwa? Meine Dampfmaschine hat unterdessen den Betriebsdruck erreicht und die Augen öffnen sich. Ausser den Raben scheint noch jemand ausgeflogen zu sein, das Bett neben mir ist leer. Ja, klar, entsinne ich mich, wir sind ja am Hochrhein auf einem Campingplatz, und wahrscheinlich wird uns Susanne sicher gerade ein feines, Sonntägliches Frühstück zubereiten. Ihr wisst schon, mit Dreiminuteneiern, frischem Zopf und so. Gerade beginne ich mich, darauf zu freuen, als Susannes Stimme ertönt: "So, fertig gschlafe, stand jetz äntli uf, muesch mer go Wasser hole! Und s`Gas chöntisch au no ufmache, und denn chamer langsam tische verusse!"

 

Nun hat mich die Gegenwart endgültig eingeholt, und so krabble ich aus Zwirbels schönem, bequemen Heckbett. Es ist herrlich, im Pyjama die ersten morgentlichen Schritte ins von der Morgensonne gewärmte Gras zu tun, und fast wäre ich damit quer über den Campingplatz zur Wasserstelle gelaufen, hätte mich Susanne nicht darauf aufmerksam gemacht, doch etwas Outdoor tauglicheres anzuziehen.

 

Unser Frühstück entpuppt sich als leicht spartanisch. Wir hatten diverses bereitgestellt, aber nicht eingepackt. Zu viel war los in dieser Zeit. Immerhin, meine fünf Feldschlösschen Lager schafften es gerade noch in den Kühlschrank. Susannes Multivitaminsaft leider nicht. Gerne hätte ich ihr eines meiner Bierchen abgegeben, aber sie wollte nicht. Jedenfalls nicht zum Frühstück. Und ich übrigens auch nicht. Mineralwasser rettet das Malheur. Ist eh gesünder als diese Zuckersäfte, sage ich mir. Musst dich ja irgendwie herausreden...

 

Wir geniessen unser Frühstück trotzdem, Susanne hatte uns zwei Dreiminuteneier gekocht, ich den feinen Zopf aus Bauer Eglis Hofladen aufgeschnitten, welchen Susanne am Samstag noch gepostet hatte (eingekauft, Schweizerdeutsch halt...). Etwas Käse kam ebenfalls mit, aber die feine Erdbeerkonfitüre, welche perfekt zum Zopf gepasst hätte, fehlte. Ich werde mich an der Nase nehmen und das nächste Mal etwas weiter studieren als nur bis zum Hopfen. Ist ja klar, H wie Hopfen kommt vor M wie Multivitaminsaft oder K wie Konfitüre, und als Mann achtet man halt auf Prioritäten, oder nicht? Ach, ihr wisst schon, wie ich das meine...


Ein Sonntag, wie schon lange nicht mehr

Es scheint, als wäre die Zeit stehen geblieben. Ich mache mich auf den Weg zum Abwasch. Keine Ahnung, wie spät es ist. Egal. Eigentlich ist es wie früher, als wir die Wohnmobile noch gemietet hatten. Der Abwasch war immer schon mein Part. Ich weiss bis heute nicht, warum, jedenfalls erinnere ich mich noch genau an die vielen "Fachgespräche", welche sich an den zum grossen Teil von Männern dominierenden Abwaschtrögen ergaben, und es kam mehr als einmal vor, dass Susanne mich suchen kam, einfach wegen der Tatsache, dass man ja kaum eine Stunde brauchen würde, um zwei Teller, zwei Bestecke und etwas Kleinkram abzuwaschen. Heute bin ich alleine. Zusammen mit Abwaschbecken, Spülmittel und Susannes handgestricktem Abwäschblätz (Schweizerdeutsch für Abwaschlappen).

 

Unterdessen ist es heiss geworden. Die Sonne brennt sommerlich, und wir entscheiden uns dafür, den kleinen, aber feinen Swimmingpool zu entern und uns abzukühlen. Eigentlich wäre um elf Uhr Abreisezeit, aber die lässt sich für eine kleine Gebühr verlängern bis um vier nachmittags. Wir geniessen diese Zeit, und als sich später ein leichter Gluscht einstellt (Lust auf Essen), landen wir wieder da, wo es keine Karte gibt, wo niemand so genau weiss, was es gerade hat, und wo man das bekommt, was der Koch gerade... ach, ihr wisst schon.

 

Unsere Entscheidung entpuppt sich als Volltreffer, und die Fischknusperli, zusammen mit verschiedenen Salaten, begleitet von einem feinem Glas Weisswein, sind ein Gedicht. 

Man habe die selber gefischt, hat man uns gesagt. Aber ehrlich gesagt, so ganz glaub ich das nicht, denn sogar ich als Nichtfischer weiss, dass in den hiesigen Gewässern keine panierten Fischknusperli herumschwimmen...


Rückreise und Fazit

Langsam ist es an der Zeit, die Zelte hier am schönen Hochrhein abzubrechen. Will heissen, Strom abdocken, Outdoor-Equipment zusammenräumen und klapperfrei verstauen, Toilette entleeren und Markise einkurbeln. Alles klappt bestens, und während ich das Bett wieder in die Schlafposition nach unten fahre, gibt es tatsächlich noch spontanen Besuch. Unsere Fischknusperli-Tischnachbarn von vorhin melden sich, sie hätten gerne einen Blick in Zwirbel geworfen. Klar dürfen sie, und Susanne beginnt mit der Roomtour, während ich draussen über Zwirbels technisches Innenleben diskutiere. Und so vergeht die Zeit einmal mehr wie im Fluge, und bald merken wir, dass wir gemäss Campingreglement längst hätten ausfliegen müssen, denn vier Uhr ist seit einer Stunde Geschichte...


Wir sind zuhause, müde, glücklich und entspannt. Nein, wir mussten trotz verspäteter Abreise keine Nachzahlung leisten, denn man fand, wenn man etwas schräger auf die Uhr schielen würde, dann könnte man die fünf durchaus für eine vier halten, das passe schon. Eine flotte Geste, das muss ich schon sagen, und so wird uns dieser Platz, der Hochrhein-Camping in Küssaberg bei Kadelburg, in sehr guter Erinnerung bleiben. Eine detaillierte Bewertung ist bei einer Übernachtung sicher nicht möglich, aber wir können diesen Platz durchaus empfehlen. Klein, fein, mittelgrosser, zweckmässiger Swimmingpool und eine einfache, aber schmackhafte Küche. Auch das Preis-/Leistungsverhältnis ist in Ordnung. Was will man mehr!


Und Zwirbel? Nun, man merkt schon, dass er noch ein Jungspund ist. So kam es ab und zu mal vor, dass seine Pferdchen mit ihm durchgingen und er doch sage und schreibe das Navi zum Bimbeln brachte (schweizerdeutsch für einen Glockenähnlichen Warnton). Und zwar wegen der Geschwindigkeit, denn Zwirbel muss einfach noch lernen, frühzeitig sein Temperament zu zügeln, um bei Erreichen der Fünfzigertafeln auch tatsächlich mit fünfzig Sachen unterwegs zu sein, und nicht mit siebzig! Zwirbel, Zwirbel, Zwirbel! Susanne meinte zwar, es liege nicht an Zwirbel, sondern schlicht und einfach daran, dass ich viel zu spät vom Gas steigen und das hohe Gewicht massiv unterschätzen würde. Nun gut, ich werde mir das nochmal durch den Kopf gehen lassen...

 

Auch fehlt es noch an einigem Praktischen, vor allem in Zwirbels Heckgarage. Unsere mitgeführten Kisten bedürfen dringend einer sinnvollen Befestigung, damit sie weniger ins Rutschen kommen. Und unsere beiden E-Bikes möchten irgendwo verzurrt werden, ohne während einer Pässefahrt ins Walzertanzen zu geraten. Auch Bettleiter und Kurbelstange flehen nach einer heimeligen Halterung. Ihr seht, liebe Leserinnen und Leser, es gibt noch einiges zu tun, und während sich Susanne bereits wieder Gedanken über Fehlendes im Wohnbereich macht, schmiede ich derweil Ladesicherungspläne. Es dünkt mich, da kommt mir gerade etwas in den Sinn, und wir beide machen uns auf in unsere fachspezifischen "Laboratorien", um Zwirbels nächste Ausbauschritte zu planen. Doch mehr darüber in einem späteren Beitrag.

 

Bis bald,

Georg & Susanne

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Kommentare: 2
  • #1

    Silvia (Dienstag, 23 Juli 2019 20:36)

    Schöne Text, liebe Georg. Warte uf wieteri schöni bricht. LG

  • #2

    Zwirbelpilot (Dienstag, 23 Juli 2019 21:09)

    Härzliche Dank, Silvia �